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Cyberangriff legt Kühlsysteme französischer Supermärkte lahm

In der Nacht zum Montag haben unbekannte Angreifer die Kühl- und Gefriersysteme Hunderter Supermärkte in Frankreich außer Betrieb gesetzt. Nach Angaben von Finanzminister Roland Lescure waren rund 700 der etwa […]

Marc Oliver Thoma

29.10.2026 · 3 Min Lesezeit

In der Nacht zum Montag haben unbekannte Angreifer die Kühl- und Gefriersysteme Hunderter Supermärkte in Frankreich außer Betrieb gesetzt. Nach Angaben von Finanzminister Roland Lescure waren rund 700 der etwa 10.000 Supermärkte des Landes betroffen. Die Temperaturen in zahlreichen Kühlschränken stiegen dabei auf bis zu 50 Grad Celsius, was landesweit zu verdorbenen Lebensmitteln und Bränden in mehreren Filialen führte. Die Pariser Staatsanwaltschaft bezeichnete den Vorfall als „großangelegten“ Angriff auf vernetzte Kühlsysteme bei mehreren großen Lebensmittelhändlern. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu wies die Cybersicherheitsbehörde ANSSI an, den Angriff zu untersuchen.

Besonders hart traf es die Gruppe Les Mousquetaires mit rund 300 Filialen ihrer Marken Intermarché und Netto sowie 80 Carrefour-Filialen und Standorte der Genossenschaftsgruppe Coopérative U. Die Angreifer verschafften sich Zugang zu den Steuerungsgeräten der Kühlsysteme und schalteten diese dauerhaft in den Abtaumodus. Sämtliche aufgetauten Waren wurden anschließend aus Sicherheitsgründen entsorgt.

Im Fokus stehen veraltete Fernsteuerungsmodule der Hersteller Danfoss aus Dänemark und Copeland aus den USA, für die keine Sicherheitsupdates mehr bereitgestellt werden. Das Sicherheitsunternehmen Claroty hatte bereits im August auf Schwachstellen in diesen Plattformen hingewiesen und darauf, dass viele der Steuerungen direkt aus dem Internet erreichbar sind. Ob ein gleichzeitig gemeldetes Sicherheitsproblem beim niederländischen Supermarktbetreiber Ahold Delhaize, der vorübergehend seine Online-Dienste abschalten musste, mit dem Angriff zusammenhängt, ist bislang unklar.
https://www.reuters.com/business/retail-consumer/french-supermarket-chain-intermarche-hit-by-cyberattack-150-stories-targeted-2026-10-12/

Deutschland veröffentlicht nationale Leitlinie für Post-Quanten-Kryptografie

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 12. Oktober gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung sowie dem Bundesministerium des Innern eine nationale Leitlinie zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie veröffentlicht. Das Dokument setzt die EU-Roadmap für eine koordinierte Umstellung auf quantensichere Kryptografie in Deutschland um und nennt klare Zielmarken für Behörden und Organisationen.

Die EU-Roadmap sieht drei Etappen vor: Bis Ende 2026 sollen die Mitgliedstaaten nationale Umstellungspläne vorlegen und mit ersten Schritten beginnen. Anwendungen mit hohem Sicherheitsrisiko sollen bis Ende 2030 quantensicher sein, die übrigen so weit wie möglich bis Ende 2035. Die deutsche Leitlinie empfiehlt dafür klare Zuständigkeiten und verbindliche Fristen.

Hintergrund ist die wachsende Bedrohung durch künftige Quantencomputer, die gängige Verschlüsselungsverfahren wie RSA brechen könnten. Besondere Dringlichkeit entsteht durch das sogenannte „Collect now, decrypt later“-Prinzip: Angreifer könnten verschlüsselte Daten bereits heute sammeln und später mit Quantentechnik entschlüsseln. Das BSI empfiehlt für den Übergang hybride Verfahren, die klassische und quantensichere Algorithmen kombinieren. Systeme sollen zudem so gebaut sein, dass sich Verfahren schnell und kontrolliert austauschen lassen. Als erster Schritt gilt ein Krypto-Inventar, also ein Überblick, wo im Unternehmen welche Verschlüsselung im Einsatz ist. Wie die Umstellung in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Demonstrator für einen quantensicheren Personalausweis, den die Bundesdruckerei und G+D gemeinsam mit dem BSI im November 2025 vorgestellt haben.

https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Krypto/Leitlinie-Umstellung-PQC.pdf?__blob=publicationFile&v=3

KI macht Closed-Source-Software obsolet – Open-Source-Pionier sieht Ende proprietärer Software

Open-Source-Mitbegründer Eric S. Raymond hat in einem viel beachteten Meinungsbeitrag auf X erklärt, dass KI-gestütztes Reverse Engineering Closed-Source-Software faktisch beendet. Large Language Models seien der entscheidende Todesstoß für das Softwaregeheimnis – und der Kollaps werde härter ausfallen als je erwartet. Lediglich Patente, cloudbasierte Software und Nischenbereiche wie Steuersoftware könnten proprietäre Geschäftsmodelle noch eine Weile schützen.

Seinen Standpunkt untermauert Raymond mit einem persönlichen Experiment: Per KI-Assistent dekompilierte er das alte DOS-Shareware-Spiel „Firefighter“ und übertrug es anschließend in die Programmiersprache Rust. Die KI erkannte dabei selbstständig, dass das Programm in Borland Pascal geschrieben war, und lieferte lesbaren Code mit sinnvollen Bezeichnungen zurück. Inzwischen soll die Technik auch bei ganzen Triple-A-Spielen funktioniert haben, was Raymond als Beleg dafür wertet, dass kein kommerzielles Softwareprodukt mehr sicher sei.

Rechtlich sieht Raymond in den USA einen gangbaren Weg über eine sogenannte Clean-Room-Methode. In der EU hingegen ist die Rechtslage deutlich enger gefasst: Die Software-Richtlinie erlaubt das Dekompilieren ohne Zustimmung des Rechteinhabers im Kern nur, wenn es für die Zusammenarbeit mit einem eigenständig entwickelten Programm unerlässlich ist. Sicherheitsforscher relativieren Raymonds Thesen teilweise, doch über den langfristigen Druck auf geschlossene Software herrscht weitgehend Einigkeit. Raymond selbst spekuliert, Reverse Engineering könnte künftig auch Industrieskandale aufdecken, etwa gegenseitigen Diebstahl geistigen Eigentums unter Grafikkartenproduzenten.
https://x.com/esrtweet/status/2106983467141509385

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Marc Oliver Thoma ist selbstständiger IT- und Kommunikationstrainer und Berater. Er erstellt seit 2010 exklusive Videotrainings für LinkedIn-Learning (ehemals video2brain). Seine Schwerpunkte sind IT-Sicherheit, Datenschutz, Zeitmanagement, Kommunikation und E-Commerce. Er arbeitet […]

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