Liebe Leserinnen und Leser,
Dienstag, kurz nach sieben. Die Verwaltung eines Trägers mit 400 Mitarbeitenden fährt hoch, und nichts fährt hoch. Kein Dienstplan, keine Pflegedokumentation, keine Telefonanlage. Der Notfallplan liegt im Ordner, sauber gegliedert, zuletzt geprüft vor achtzehn Monaten. Auf Seite vier steht, dass die Systeme innerhalb von vier Stunden wieder verfügbar sind. Der erste Fachbereich arbeitet am Freitag wieder.
Zwischen Seite vier und Freitag liegt der ganze Unterschied. Er entsteht nicht im Ernstfall, sondern lange vorher, an einem ruhigen Nachmittag, an dem jemand eine Wiederanlaufzeit einfach aufgeschrieben hat. Vier Stunden klingen gut. Vier Stunden waren nie gemessen.
In „Der weiße Hai“ gibt es diesen Moment, in dem Chief Brody das Tier zum ersten Mal in voller Größe sieht und tonlos sagt: „Wir brauchen ein größeres Boot.“ Genau dieser Moment ereilt viele Sicherheitsbeauftragte beim ersten echten Restore. Die Bänder sind da, die Daten sind da, und trotzdem vergehen drei Tage, weil niemand die Reihenfolge kannte, in der die Systeme hochkommen müssen.
Diese Ausgabe handelt von der Arbeit, die zwischen Papier und Praxis liegt. Von der Frage, welcher Prozess zuerst zurückkommen muss. Von der Messung, die Ihnen die echte Zahl liefert statt der gewünschten. Und von Menschen, die beides erst ernst genommen haben, nachdem es zu spät war.
Ich habe dazu eine unbequeme Überzeugung: Ein ungeprüfter Notfallplan ist kein Plan, sondern eine Absichtserklärung. Er schadet mehr als ein fehlendes Dokument, weil er Sicherheit vortäuscht, wo keine ist. Die gute Nachricht steckt in derselben Erkenntnis. Der Weg vom einen zum anderen ist kürzer als gedacht, und er beginnt mit einer einzigen ehrlichen Messung.
Weil im Ernstfall niemand Zeit hat, ein Heft zu lesen, steht das Wichtigste dieser Ausgabe direkt unter diesen Zeilen. Acht Minuten, vier Themen, vier Schritte, die Sie schon am Montag angehen können.
Ihr Andreas Hessel
So messen Sie, wie lange Ihr Wiederanlauf wirklich dauert
Ein Backup, das sich nicht zurückspielen lässt, ist ein Datengrab mit Wartungsvertrag. Der Restore-Test liefert Ihnen die tatsächliche Wiederanlaufzeit, die richtige Reihenfolge der Systeme und die Lücken, die im Ernstfall Stunden kosten.
In sechs Schritten zur belastbaren Business Impact Analyse
Die BIA entscheidet, welcher Prozess nach einem Ausfall zuerst zurückkommt, und ist damit die Grundlage jedes Wiederanlaufplans. Wer sie überspringt, priorisiert im Ernstfall nach Lautstärke statt nach Schaden.
Der Sicherheitsbeauftragte, der seinen Notfallplan erst im Ernstfall kennenlernte
Ein Träger im Sozialwesen verlor an einem Dienstagmorgen sämtliche Fachverfahren und stellte fest, dass sein Notfallplan nie geprüft worden war. Was danach entstand, war kein besseres Dokument, sondern eine andere Arbeitsweise.
Ihre Fragen zu Backup, Wiederanlauf und Notbetrieb
Fünf Fragen aus der Leserschaft, von der Aufbewahrung der Sicherungen bis zum Umgang mit Hardware nach einem Ransomware-Befall. Die Antworten nennen Schritte und Einstellungen, keine Normverweise.
BIA-Erhebungsbogen als Excel, makrofrei, mit Kritikalitätsampel und automatischer Priorisierung Ihrer Prozesse.
Protokollvorlage Restore-Test, für Startzeit, Systemreihenfolge, Abweichungen und fachliche Freigabe.