Ein Handwerksbetrieb mit 45 Mitarbeitenden irgendwo in Deutschland betreibt seinen eigenen E-Mail-Server, wie viele mittelständische Unternehmen das tun. Im Frühjahr taucht eine Meldung des Herstellers auf: eine schwerwiegende Sicherheitslücke, ein Update steht bereit. Der zuständige Mitarbeiter – die IT ist bei ihm nur einer von vielen Aufgabenbereichen – notiert sich das Update, hat aber gerade mit dem Tagesgeschäft alle Hände voll zu tun. Das Update kann warten, denkt er, schließlich ist ja noch nichts passiert. Monate später steht die Produktion still: Alle Daten sind verschlüsselt, eine Lösegeldforderung erscheint auf den Bildschirmen. Bei der Ursachensuche stellt sich heraus: Die Angreifer waren schon Monate zuvor über genau die Lücke eingedrungen, die im Frühjahr gemeldet wurde, und hatten sich seitdem einfach eine Hintertür offen gehalten. Diese Situation ist kein Einzelfall.
Der Mythos: „Für Hacker sind wir viel zu klein und unwichtig“
Viele Inhaberinnen und Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen gehen davon aus, dass gezielte Angriffe nur große Konzerne treffen. Was dabei oft vergessen wird: Die meisten Angriffe sind gar nicht gezielt. Kriminelle nutzen automatisierte Suchwerkzeuge, die das gesamte Internet systematisch nach verwundbaren Systemen absuchen – ganz unabhängig davon, ob dahinter ein Weltkonzern oder ein Handwerksbetrieb aus dem Sauerland steckt. Als 2021 eine schwere Sicherheitslücke in weit verbreiteten E-Mail-Servern bekannt wurde, fanden solche automatisierten Suchen allein in Deutschland rund 57.000 verwundbare Server – die allermeisten davon bei kleinen und mittleren Unternehmen. Wer online erreichbar ist, wird gefunden. Die Unternehmensgröße spielt für die Suchwerkzeuge der Angreifer schlicht keine Rolle.