Dienstagmorgen, 11. März 2025. Der kaufmännische Leiter eines mittelständischen Logistikunternehmens aus dem Ruhrgebiet öffnet eine E-Mail seines Microsoft-Partners. Ab Juli 2025 steigen die Preise für Microsoft 365 Business um bis zu 33 Prozent. Er ruft die IT-Abteilung an. „Können wir nicht einfach wechseln?“ Die Antwort kommt ohne Pause: „Wohin? Und womit? Wir hängen mit allem dran.“ Das Outlook-Postfach, die SharePoint-Ablage, Teams, die gesamte Dateistruktur – alles Microsoft. Ein Wechsel würde Monate dauern und einen sechsstelligen Betrag kosten. Die Preiserhöhung wird akzeptiert. Diese Situation ist kein Einzelfall. Sie ist Programm.
Der Mythos: „Wir sind Kunden – kein Gefangener“
„Wenn uns der Anbieter nicht passt, wechseln wir eben.“ Diesen Satz höre ich in meinen Schulungen regelmäßig. Er klingt selbstbewusst. Er ist aber falsch. Wer seinen gesamten Betrieb auf Microsoft 365, Google Workspace oder SAP S/4HANA in der Cloud aufgebaut hat, ist kein freier Kunde mehr. Er ist Mieter in einem Gebäude, dessen Eigentümer die Miete jederzeit erhöhen kann – und dem Mieter fehlen die Schlüssel, um auszuziehen. Vendor Lock-in ist kein Nebeneffekt der Cloud. Es ist ein Geschäftsmodell.