Aus Fehlern lernen

Warum Geschäftskontinuität kein Papiertiger sein darf – und wie Unternehmen im Ernstfall wirklich handlungsfähig bleiben

Der IT-Leiter eines mittelständischen Maschinenbauers in Nordrhein-Westfalen starrt auf seinen Bildschirm. Alle Systeme sind verschlüsselt. Die Ransomware-Gruppe hat seine gesamte IT-Infrastruktur in der Nacht übernommen – Fertigungssteuerung, ERP, E-Mail, Netzwerklaufwerke. Irgendwo in einem Schrank lagert ein Business Continuity Plan, der vor drei Jahren erstellt und seitdem nicht mehr angeschaut wurde. Die darin benannten Notfall-Ansprechpartner sind teilweise nicht mehr im Unternehmen. Das Krisenteam wurde nie eingeübt.

Marc Oliver Thoma

19.03.2026 · 4 Min Lesezeit

Was jetzt folgt, kennen Experten allzu gut: Panikentscheidungen, falsche Prioritäten, tagelange Ausfälle. In einem realen Fall aus Euskirchen im Jahr 2025 kostete ein solcher Angriff zwei Millionen Euro Umsatzverlust innerhalb von zwei Wochen – am Ende stand die Insolvenz. Business Continuity Management (BCM) ist in vielen deutschen Unternehmen kein strategisches Führungsinstrument, sondern ein Compliance-Dokument ohne Lebensbezug. Das ist gefährlich. Und angesichts einer veränderten Regulatorik wird es teuer.

Was BCM wirklich bedeutet – und was es nicht ist

Business Continuity Management (BCM) wird häufig mit IT-Notfallplanung gleichgesetzt. Das ist ein Irrtum. BCM ist ein ganzheitlicher Managementprozess. Sein Ziel: sicherstellen, dass eine Organisation ihre kritischen Geschäftsprozesse auch bei schwerwiegenden Störungen aufrechterhalten oder schnell wiederherstellen kann – ob durch Cyberangriff, Stromausfall, Naturkatastrophe, Personalausfall oder unterbrochene Lieferkette. Ein vollständiges Business Continuity Management System adressiert vier Szenarien: IT-Systemausfall, Gebäudeausfall, Personalausfall und Lieferantenausfall. Die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen allenfalls das erste Szenario im Blick haben – und dabei oft nur die Wiederherstellung von Daten meinen, nicht die Aufrechterhaltung von Geschäftsprozessen.