Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kodieren und Verschlüsseln? Wie sieht eine digitale Signatur in der Praxis aus, und was passiert bei XOR wirklich mit den Daten? Solche Fragen lassen sich in einer Schulung leicht erklären, aber viel besser begreifen Teilnehmer sie, wenn sie selbst experimentieren können. Genau hierfür eignet sich CyberChef.
Was ist CyberChef?
CyberChef ist eine Webanwendung, mit der sich Kodierungs-, Verschlüsselungs- und Hashing-Verfahren Schritt für Schritt ausprobieren und beobachten lassen. Man kann es sich vorstellen wie einen Baukasten: Sie ziehen einzelne Arbeitsschritte – „Operationen“ genannt, etwa „Zu Base64“, „AES verschlüsseln“, „SHA256 berechnen“ oder „RSA-Signatur prüfen“ – per Drag-and-Drop in ein „Rezept“ und sehen sofort, wie sich die Daten dabei verändern. Mehrere Operationen lassen sich hintereinanderschalten, sodass auch mehrstufige Verfahren nachvollziehbar werden, etwa wie ein Klartext erst gehasht und die Prüfsumme dann signiert wird. Für die eigene Weiterbildung oder für Schulungsteilnehmer ist das ein niedrigschwelliger Einstieg: Statt Formeln an der Tafel sieht man live, was mit den Daten geschieht. Als Nebeneffekt lässt sich dasselbe Werkzeug auch nutzen, um eine verdächtige Zeichenkette aus einer E-Mail oder einem Logfile zu dekodieren und einzuordnen – dazu weiter unten mehr.
Wer steckt dahinter?
Entwickelt wurde CyberChef vom britischen Nachrichtendienst GCHQ, der das Tool 2016 auf GitHub veröffentlichte – mit der erklärten Absicht, komplexe Datenanalyse auch technisch weniger versierten Nutzern zugänglich zu machen. Der Quellcode steht unter der Apache-2.0-Lizenz, ist also frei einsehbar und nutzbar. Seither ist rund um das Projekt eine aktive Community entstanden: Auf GitHub hat es über 35.000 Sterne gesammelt und wird bis heute regelmäßig weiterentwickelt.
Was kostet CyberChef?
CyberChef ist vollständig kostenlos – es gibt keine kostenpflichtige Version, keine Testphase und keine versteckten Funktionen hinter einer Bezahlschranke. Sie finden es entweder als gehostete Version direkt im Browser oder laden den Quellcode herunter und betreiben ihn selbst im eigenen Netz.
Kann ich CyberChef vertrauen?
Der Clou ist, dass die gehostete Version vollständig im Browser läuft: Weder die eingegebenen Daten noch das verwendete Rezept werden an einen Server übertragen. Das macht CyberChef auch für Schulungszwecke unproblematisch – Teilnehmer können mit eigenen Beispieldaten experimentieren, ohne dass diese das eigene Gerät verlassen.
Was gibt es zu beachten?
CyberChef ersetzt kein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Kryptografie – es macht die Verfahren sichtbar, erklärt aber nicht von selbst, warum ein Algorithmus als sicher oder veraltet gilt. Wer das Tool zusätzlich zur Analyse verdächtiger Dateien oder Zeichenketten einsetzt, sollte das grundsätzlich in einer isolierten Umgebung tun und niemals verdächtige ausführbare Inhalte direkt öffnen – CyberChef dient der Analyse von Daten, nicht deren Ausführung. Bei sehr großen Dateien kann die Verarbeitung im Browser zudem spürbar langsamer werden.
Fazit
Für alle, die Verschlüsselung, Kodierung und Signaturverfahren nicht nur theoretisch erklären, sondern selbst nachvollziehen oder in Schulungen greifbar machen wollen, ist CyberChef ein kostenloses, unaufgeregtes Werkzeug ohne Einstiegshürde. Dass sich damit bei Bedarf auch mal eine verdächtige Zeichenkette aus einer Phishing-Mail entschlüsseln lässt – wie im Lesson-Learned-Beitrag dieser Ausgabe beschrieben –, ist ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht der Hauptgrund, es sich anzusehen.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://gchq.github.io/CyberChef/