Sie ziehen eine Datei in den Papierkorb, leeren ihn und gehen davon aus, dass sie verschwunden ist. Tatsächlich löscht das Betriebssystem in diesem Moment meist nur den Verweis auf die Datei: Name, Ort, Zeitstempel. Der Inhalt bleibt liegen, bis er irgendwann überschrieben wird, und lässt sich bis dahin mit frei erhältlichen Programmen wiederherstellen. Ähnlich sieht es bei Browserverläufen, Cookies und Zwischenspeichern aus, die sich unbemerkt über Monate ansammeln. Genau hier setzt BleachBit an.
Was ist BleachBit?
BleachBit ist zunächst ein Aufräumprogramm, vergleichbar mit dem bekannteren CCleaner. Es entfernt temporäre Dateien, Browserdaten, Protokolle und Spuren zahlreicher Anwendungen. Für die IT-Sicherheit interessanter sind die Funktionen zum sicheren Löschen. BleachBit überschreibt einzelne Dateien oder ganze Ordner, bevor es sie entfernt, und benennt sie vorher um, damit auch der ursprüngliche Dateiname verschwindet. Außerdem kann es den leeren Speicherplatz überschreiben, in dem früher gelöschte Daten noch schlummern.
Man kann sich das vorstellen wie den Unterschied zwischen Altpapier und Aktenvernichter: Der normale Papierkorb wirft weg, BleachBit vernichtet.
Wer steckt dahinter?
BleachBit erschien erstmals im Dezember 2008, damals nur für Linux. Heute läuft es unter Windows und Linux, die Unterstützung für macOS befindet sich laut den Entwicklern im Aufbau. Aktuell ist Version 6.0.4 vom 8. September 2026. Der Quellcode steht unter der GPLv3-Lizenz und ist öffentlich einsehbar. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Programm 2016 bekannt, als es im Zusammenhang mit dem Löschen von E-Mails auf dem privaten Server der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton genannt wurde.
Bemerkenswert: BleachBit überschreibt bewusst nur einmal. Die Entwickler halten mehrfache Durchgänge wie bei der 35-fachen Gutmann-Methode auf modernen Festplatten für nutzlos. Selbst Peter Gutmann hat sich später von der Art distanziert, wie seine Methode verwendet wird. Mehr Durchgänge kosten vor allem Zeit.
Was kostet BleachBit?
Nichts. BleachBit ist Open Source und kommt ohne Werbung und ohne kostenpflichtige Zusatzangebote aus. Die GPLv3 erlaubt den Einsatz für jeden Zweck, also auch im Unternehmen. Eine eingeschränkte Gratisversion oder eine Pro-Variante gibt es nicht. Die Kehrseite: Einen kostenpflichtigen Support mit festen Reaktionszeiten nennt die Webseite nicht. Hilfe gibt es über die Dokumentation, eine Hilfeseite und GitHub.
Was gibt es zu beachten?
Die wichtigste Grenze betrifft SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten. Dort verteilt der Controller Schreibvorgänge selbstständig über den gesamten Speicher, und Reservebereiche sind für Software gar nicht erreichbar. Ein Programm, das eine Datei überschreibt, trifft die alten Daten deshalb nicht zuverlässig. Die BleachBit-Dokumentation sagt das selbst offen und rät, das Überschreiben des leeren Speichers auf SSDs sparsam einzusetzen, weil es das Laufwerk unnötig abnutzt.
Für herkömmliche Festplatten funktioniert das Schreddern einzelner Dateien gut. Wer aber ein ganzes Gerät weitergibt oder ausmustert, braucht mehr als das Löschen einzelner Dateien. Auslagerungs- und Ruhezustandsdateien können noch sensible Daten enthalten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, Festplatten vollständig zu überschreiben und bei SSDs den Löschbefehl des Herstellers (Secure Erase) zu nutzen, wie ich es im Artikel zum Offboarding in Ausgabe 26/16 beschrieben habe. Noch besser ist es, die Laufwerke von Anfang an mit BitLocker oder FileVault zu verschlüsseln. Dann genügt es, den Schlüssel sicher zu vernichten.
Außerdem gilt: Ein Aufräumprogramm löscht, was Sie ihm sagen. Wer unbedacht alle Haken setzt, verliert gespeicherte Passwörter im Browser oder Anmeldungen. Besonders praktisch ist deshalb die Vorschau, die vor dem Löschen anzeigt, was entfernt würde. Seit Version 6.0 lassen sich zudem Cookies einzelner Webseiten gezielt behalten.
Fazit
BleachBit ist ein solides, kostenloses Werkzeug für alle, die Browserspuren regelmäßig beseitigen oder auf klassischen Festplatten einzelne Dateien endgültig löschen wollen. Für kleine Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung ist es ein guter Baustein im Löschkonzept, aber kein Ersatz für verschlüsselte Laufwerke und ein geregeltes Verfahren bei der Geräteentsorgung.
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