Federführend bei „Operation Killswitch“ waren Hamburger Strafverfolger, es gab drei Festnahmen und acht Durchsuchungen.
Internationale Ermittler unter Leitung der Staatsanwaltschaft und des LKA Hamburg sind gegen eine Cybercrime-Gruppierung vorgegangen, die unter dem Alias „Killsec“ rund 1.000 Angriffe weltweit verübt hat. Mindestens siebzig davon waren in Deutschland. Beim Schlag gegen die Gruppierung sicherten die Ermittler mindestens 110 Terabyte Daten und durchsuchten acht Objekte in vier Ländern: Griechenland, Rumänien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Drei Verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Unter den Tatverdächtigen befinden sich ein Sechzehn- und ein Achtzehnjähriger.
Datenpanne bei DiGA-Anbieter HelloBetter: Gesundheitsdaten abgeflossen
Der Hamburger Anbieter digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) HelloBetter informiert seine Nutzerinnen und Nutzer über einen Cyberangriff. Nach Angaben des Unternehmens verschafften sich Unbekannte am Abend des 6. September 2026 über eine Schwachstelle Zugriff auf ein Business-Intelligence-System zur Datenauswertung und die angebundene Datenbank. Der Zugriff fiel am nächsten Morgen auf und wurde beendet, bis dahin waren jedoch Daten in bedeutendem Umfang abgeflossen. HelloBetter hat den Vorfall dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit gemeldet.
Betroffen sein können Name, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Versichertennummer, außerdem Fragebogenantworten, Angaben zum Programmverlauf, Tagebucheinträge und Supportanfragen. Das wiegt schwer: HelloBetter bietet Programme unter anderem zu Depressionen, Panikstörungen, Schlafstörungen und chronischen Schmerzen an, die auf Rezept verordnet werden. Schon die Nutzung eines Programms verrät damit eine Diagnose. Laut Unternehmen liegt zwar ein erheblicher Teil der Daten pseudonymisiert und verschlüsselt vor, dass einzelne Informationen lesbar waren, kann HelloBetter aber nicht ausschließen. Da anschließend auch die Verschlüsselungsschlüssel ausgetauscht wurden, bleibt offen, ob die Verschlüsselung tatsächlich gehalten hat. Zahlungsdaten sind nicht betroffen.
Aufschlussreich sind auch die übrigen Maßnahmen: Das BI-System ist nur noch intern erreichbar, und alle im fraglichen Zeitraum angelegten Konten wurden gelöscht. Beides deutet darauf hin, dass das System aus dem Internet zugänglich war und die Angreifer sich eigene Zugänge eingerichtet haben. Bemerkenswert ist das, weil DiGA-Hersteller seit Januar 2025 ein Datensicherheitszertifikat nach der BSI-Richtlinie TR-03161 vorlegen müssen. Wie viele Menschen betroffen sind und welche Lücke ausgenutzt wurde, ist bislang unklar. Betroffene sollten ihr Passwort ändern und besonders auf Phishing-Versuche achten.
Behörden schalten über 9.000 Rufnummern von Cyberkriminellen ab
Im Kampf gegen internationalen Cyber-Anlagebetrug haben Ermittler in den vergangenen drei Monaten rund 9.300 deutsche Rufnummern abgeschaltet, die von Kriminellen genutzt wurden. Seit Beginn der sogenannten „Operation Herakles“ wurden insgesamt 13.888 Nummern gesperrt – darunter 13.397 deutsche und 491 österreichische. Das Cybercrime-Zentrum der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg arbeiteten dabei eng mit dem Bundeskriminalamt, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, der Bundesnetzagentur sowie dem österreichischen Bundeskriminalamt zusammen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht die Betrugsmasche „Cybertrading-Fraud“, die sich in den vergangenen Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt hat. Dabei werden Verbraucherinnen und Verbraucher über manipulierte Handelsplattformen zu vermeintlich lukrativen Investitionen verleitet. Flankierend rufen sogenannte Broker aus ausländischen Callcentern an, um die Opfer zur Einzahlung weiterer Gelder zu bewegen. Das Vorgehen wirkt dabei oft so professionell, dass Betroffene den Schwindel über Monate nicht bemerken. Tatsächlich fließt das eingezahlte Geld jedoch nie in eine echte Kapitalanlage. In Zusammenarbeit mit Europol wurden zusätzlich mehr als 2.000 illegale Domains vom Netz genommen. Die Bundesnetzagentur verpflichtete betroffene Telekommunikationsunternehmen zudem zu verschärften Compliance-Kontrollen, um künftigem Missbrauch vorzubeugen.
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260925_Herakles.html